Coimbra 13. – 15.10.2018

Coimbra 13. – 15.10.2018

Als wir nach Coimbra so gegen 20.15 Uhr einfuhren, begann auch schon der erste Regen und der Wind wurde stärker. 10 Minuten später trafen wir dann auf dem Campingplatz ein. Hajo erwartete uns bereits am Eingang und hatte uns (hart verteidigt) einen Stellplatz direkt neben ihnen reserviert. Wir standen nun an einem Berg, mit der Front Richtung Tal. (dies ist allerdings ein Foto vom Tag danach, durch unsere Windschutzscheibe)

Ich wusste nicht, ob mich dies jetzt beruhigen sollte, aber es änderte ja nix. Schnell noch in den Waschraum, Zähne geputzt und dann warten.

Der Wind nahm stetig zu und ab 23 Uhr schlug mir das Herz bis zum Hals, weil man das Gefühl hatte, gleich abzuheben. Willkommen Leslie. Mit einer Windstärke um die 170 und Böen um die 200 km/h kann man schon mal die Luft anhalten und das Beeten anfangen. Wer den Film „Der Zauberer von Oz“ kennt…. ja ich dachte, so wie das Haus, heben auch wir gleich ab.

Gott sei Dank liess es nach einer guten Stunde etwas nach und es rappelte nur noch heftig, aber das wusste ich ja nicht. Und somit lag ich dann noch bis 3 Uhr wach, da es ja hieß, das Schlimmste sollte von 0-3 Uhr kommen.

Yippie, überlebt. Der Campingplatz am Morgen danach sah recht wild aus. Die Leute mit Zelt hatten sich nachts in die sanitären Einrichtungen geflüchtet und schliefen zwischen Toiletten und Duschen und sammelten am Morgen die Reste ihrer Habseligkeiten, welche quer über den Platz verstreut waren, ein. Es hatte diverse Bäume entwurzelt oder einfach wie Streichhölzer in der Mitte durchgebrochen. Einige hatten nicht so viel Glück wie wir.

Nachdem es immer wieder regnete und doch noch sehr windig war, fuhren wir erst gegen 15 Uhr, zusammen mit Gitte und Hajo, mit dem Bus nach Coimbra-Zentrum, um die Stadt zu erkunden. Eigentlich stand Coimbra ja nicht auf unserem Plan, doch es sollte sich herausstellen, dass es sich gelohnt hatte. Eine wunderschöne Stadt, am Rio Mondego gelegen, auf welchen man, wenn man nach oben in die Stadt läuft, immer wieder einen wunderschönen Ausblick hat.

Hier nur am Rande ein paar Informationen: Die Stadt kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Die Universität Coimbra ist die älteste Universität Portugals und eine der ältesten Europas. Der studentische Alltag und die akademischen Traditionen werden nirgends auf so intensive Weise gelebt. Es ist die Stadt der Dichter und des Fado Gesangs. Wer es nicht weiss: Fado ist ein portugiesischer Musikstil, welcher vor allem in Lissabon und Coimbra beheimatet ist. Meist handeln sie von Unglücklicher Liebe, sozialen Missständen, Vergangenheit oder Sehnsucht und vor allem von der „saudade“, dem Weltschmerz. Hierbei sollte man wissen, dass sich der Fado in Coimbra von dem in Lissabon unterscheidet. In Coimbra sind es eher Liebeslieder, wohingegen es in Lissabon mehr um Schmerz und Unglück geht, was, gerade von Frauen gesungen, sehr in den Ohren schmerzt.

Auch sollte man wissen, dass Coimbra eigentlich von 1179- 1255 Hauptstadt Portugals war. 1255 entschied Alfons III. den Regierungssitz nach Lissabon zu verlegen. Übrigens gab es nie ein offizielles Dokument, das Lissabon den Status als Hauptstadt zuerkannte.

Einheimische berichten, dass es wohl das Abkommen gab, wenn Lissabon Hauptstadt wäre, sollte Coimbra die Universität behalten, was sie bis heute zu einer bunten, mit fröhlichem Leben gefüllte alte, aber moderne Stadt macht. Es gäbe noch vieles mehr zu berichten, aber wir können nur jedem empfehlen, diese Stadt selber einmal zu besuchen (und sie liegt auch nur 40 km vom Atlantik entfernt). Wir hatten leider auch nur zu wenig Zeit, aber es spricht ja nix gegen einen erneuten Besuch.

Und so schlenderten wir durch die Stadt. Es war sehr ruhig, da Sonntag, aber nach der letzten Nacht war dies auch sehr angenehm.

Auf der Suche nach einem netten Lokal, entdeckten wir in einer kleinen Gasse einen kleinen Laden, so eine Art Verein, in welchem am Abend FADO aufgeführt wurde.

Wir sofort 4 Karten gekauft für 18:45 Uhr und dann in das kleine Lokal, welches sich wenige Meter vor dem Fado befand. Wäre doch gelacht, wenn wir die Zeit bis dahin nicht tot schlagen sollten.

Im Nachhinein, die zwei besten Entscheidungen des Tages.

Ein kleiner, wirklich sehr kleiner, super gemütlicher Familienbetrieb. Lecker Essen, lecker Wein, super Stimmung.

Und dann ging es zum FADO. Ich hatte ja sowieso keine Ahnung, was mich erwartete, also war ich gespannt.

Der Laden ein Traum. So und nicht anders will man es erleben. 7 Tische, super gemütlich und dann der Fado….. gesungen von einem Mann mit einer wahnsinnig kräftigen aber doch sanften Stimme. Vorher erzählte er etwas über den Fado und seine Geschichte und dann die Musik und der Gesang. Ich kann nicht sagen warum, aber mir liefen kurzfristig die Tränen, so berührt und ergriffen war ich. Was für eine schöne Stunde.

Beschwingt und gut gelaunt gingen wir nun durch die Stadt und liessen den Abend auf uns wirken.

Und was soll ich sagen? Die Männer hatten wieder einmal Hunger. So gingen wir nach unten in die Stadt und wurden direkt am Rio Mondego fündig. Diese Mal nicht traditionell portugiesisch, nein ganz typisch – italienisch 🙂

Und so liessen wir den Tag, mit direktem Blick auf den Fluss, ausklingen. Bestellten uns ein Taxi und wurden sehr sicher aber doch mit 100 km/h durch die Stadt zum Campingplatz chauffiert.

An dieser Stelle auch mal ein Dankeschön an Hajo und Gitte. Es macht immer wieder Spass mit Euch.

Und zum Abschluss noch ein Bild, aufgemalt an einer Hauswand:

LÄCHLE UND KÄMPFE

Wir schliefen wie die Babys und brachen am nächsten Tag dann auf nach Nazare.

2 Gedanken zu „Coimbra 13. – 15.10.2018

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